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Betriebsratswahlen 2010

Bsirske, Hexel und Wallraff rufen an die Wahlurnen

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske, DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel und der Journalist Günter Wallraff haben am Dienstag in Berlin die DGB-Kampagne zur Betriebsratswahl 2010 eröffnet. Sie steht unter dem Motto „Stimmt. Betriebsräte machen den Unterschied“. Vor einer Filiale der Drogeriekette Schlecker sagte Bsirske: „Auch wenn es noch viel zu tun gibt: Ohne die engagierten und starken Betriebsrätinnen, die sich seit über zehn Jahren bei Schlecker für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einsetzen, müssten die Beschäftigten sich auch jetzt noch in einem System der Repression und der Angst bewegen. Das bundesweite Betriebsräte-Netz bei Schlecker zeigt: Gemeinsam können wir ganz viel zum Positiven wenden. Bestes Beispiel dafür ist, dass ver.di jetzt mit Schlecker über Tarifverträge verhandelt.“

DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel forderte „mehr Schutz und Gestaltung in der Wirtschaft. Denn Betriebsräte machen den Unterschied zwischen unfairen und fairen Arbeitsbedingungen, schutzlosen und geschützten Beschäftigten und häufig auch zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit.“ Die Gewerkschaften hätten konkrete Ziele, so Hexel: „Wir wollen wieder eine Wahlbeteiligung von mehr als 80 Prozent erreichen. Unser Ziel ist außerdem, als DGB-Gewerkschaften 70 Prozent aller Betriebsratsmandate zu erringen.“

Der Journalist Günter Wallraff kritisierte, die Politik habe die Vorschläge der Wirtschaft „eins zu eins umgesetzt: die Agenda 2010, Hartz IV, Ein-Euro-Jobber, 400-Euro-Jobs, unbezahlte Dauerpraktika und die Zerstörung gesicherter und langfristiger Arbeitsverhältnisse bei gleichzeitiger Zunahme prekärer Beschäftigungsformen. Und obwohl die Folgen, wie zum Beispiel Alters- und Kinderarmut, brutal zu Tage treten, wird bis heute an der neoliberalen Politik des sozialen Kahlschlags nicht gerüttelt.“ Die Auseinandersetzungen in den Betrieben würden härter, „nicht erst seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise. Schon seit Jahren versuchen Arbeitgeber, mit längst verboten geglaubter Munition, die Rechte der Beschäftigten zu pulverisieren.“

Alle vier Jahre werden in Deutschland Betriebsräte gewählt – in diesem Jahr laufen die Wahlen seit Anfang März bis Ende Mai. Gewählt werden kann in Betrieben mit mindestens fünf wahlberechtigten Beschäftigten. Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird in mehr als 100.000 Betrieben gewählt. Immer wieder versuchen Arbeitgeber, die Gründung von Betriebsräten zu verhindern. Dies spiegelt sich auch im Unwort des Jahres 2009 „betriebsratsverseucht“ wider, das auf einen Filialleiter einer Baumarktkette zurückgeht.

Die DGB-Kampagne zu den Betriebsratswahlen umfasst unter anderem das Onlineportal www.mitbestimmt.de, Großflächenplakate und Zeitungsanzeigen. Im zentralen Kampagnenmotiv wird die Silbe „Un“ des Wortes „Unfair“ mit einem Wahlkreuz durchgestrichen. Für den 23. April ist in Berlin eine Konferenz zur Zukunft der betrieblichen Mitbestimmung geplant. BetriebsrätInnen und VertreterInnen des DGB diskutieren dieses Thema mit den ArbeitsmarktexpertInnen der Bundestagsfraktionen. (DGB)

Tarifvertrag bremst Lohndumping und Missbrauch

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die IG Metall haben den Vertrag, der zwischen dem Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA) und der DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit geschlossen wurde, als Fortschritt bewertet. „Damit ist es gelungen, 7,50 Euro als Mindestlohn zu etablieren und gute tarifvertragliche Standards zu setzen“, erklärte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske in Berlin. „Wir wollen Missbrauch in der Leiharbeit bekämpfen; dafür ist dieser Abschluss eine gute Grundlage“, sagte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, am Dienstag in Frankfurt.

Mit dem Tarifabschluss steigen die Mindestentgelte nach einem Stufenplan im Westen von 7,38 Euro bis zum 1. November 2012 auf 8,19 Euro pro Stunde, im Osten von 6,42 Euro im gleichen Zeitraum auf 7,50 Euro. Für die weiteren Entgeltgruppen wurden prozentuale Erhöhungen vereinbart, zum 1. Juli 2010 um 2,5 Prozent, zum 1. Mai 2011 um weitere 2,5 Prozent, zum 1. November 2011 um 1,74 Prozent und zum 1. November 2012 erneut um 2,5 Prozent.

Ferner sieht das Ergebnis vor, dass die bisherige Verrechnungsmöglichkeit von steuerfreien Aufwandsentschädigungen mit dem Bruttoentgelt zum 1. Juli 2010 ersatzlos entfällt. Damit sind indirekte Lohnkürzungen ausgeschlossen.

In einer Zusatzklausel wurde zudem geregelt, dass der neue Tarifvertrag nicht als Einfallstor für Lohnsenkungen durch konzerninterne Leiharbeit oder zum Austausch von Stammbelegschaften durch Leiharbeiter missbraucht werden kann. „Damit gilt im Grundsatz für konzerninterne Leiharbeit die gleiche Bezahlung von Stammbelegschaften und Zeitarbeitern. Der Missbrauch der Zeitarbeit nach dem Modell Schlecker darf sich nicht wiederholen“, betonten Bsirske und Huber. Beide Gewerkschaftsvorsitzenden forderten die Bundesregierung auf, Lohndumping in der Leiharbeit einzudämmen. (ver.di)

2% mehr Gästeübernachtungen im Januar 2010

Wiesbaden – Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden im Januar 2010 in Deutschland 19,2 Millionen Gästeübernachtungen in Beherbergungsstätten mit neun oder mehr Betten und auf Campingplätzen gezählt. Damit stieg die Anzahl der Übernachtungen gegenüber Januar 2009 um 2%. Von der Gesamtzahl der Übernachtungen entfielen 16,4 Millionen auf inländische Gäste (+ 2%) und 2,8 Millionen auf Gäste aus dem Ausland (+ 3%).

Differenziert nach Betriebsarten nahm die Zahl der Übernachtungen im Vergleich zum Januar 2009 bei den Vorsorge- und Rehabilitationskliniken um 4% auf 3,2 Millionen zu. Auch die Hotellerie konnte einen Zuwachs verbuchen, und zwar um 2% auf 12,3 Millionen Übernachtungen. Die Zahl der Übernachtungen in den übrigen Betriebsarten blieb mit 3,7 Millionen nahezu unverändert. Bei diesen handelt es sich überwiegend um Ferienunterkünfte, wie zum Beispiel Ferienhäuser und -wohnungensowie Erholungs- und Ferienheime und um Campingplätze.

Die Übernachtungszahlen in Großstädten mit 100 000 und mehr Einwohnern nahmen im Januar 2010 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5% auf 6,0 Millionen zu. In Gemeinden mit weniger als 100 000 Einwohnern blieb die Zahl der Übernachtungen mit 13,2 Millionen nahezu unverändert. (Destatis)

beherbergung

Kinder mit Migrationshintergrund seltener in Kindertagesbetreuung

Wiesbaden – Fast jedes zweite Kind unter sechs Jahren mit Migrationshintergrund besuchte am 1. März 2009 eine Kindertageseinrichtung oder wurde durch eine Tagesmutter oder einen Tagesvater betreut. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund haben damit seltener ein Angebot der Kindertagesbetreuung in Anspruch genommen als Eltern von Kindern ohne Migrationshintergrund. Die Betreuungsquote – das heißt der Anteil der Kinder, die in Kindertagesbetreuung waren, bezogen auf alle Kinder in der jeweiligen Bevölkerung – betrug bei Kindern mit Migrationshintergrund knapp 47% und bei Kindern ohne Migrationshintergrund rund 61%.

Einem Kind wird dann ein Migrationshintergrund zugeschrieben, wenn mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft ist, das heißt Mutter und/oder Vater aus dem Ausland stammen. Die Staatsangehörigkeit der Eltern oder des Kindes spielt dabei keine Rolle.

Unterschiedliche Betreuungsquoten lassen sich auch in den verschiedenen Altersgruppen feststellen. Die Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren war bei den Kindern ohne Migrationshintergrund mit 25% mehr als doppelt so hoch wie bei Kindern mit Migrationshintergrund (10,5%). Insgesamt lag die Betreuungsquote bei Kindern unter drei Jahren bei 20%.
Bei Kindern im Alter von drei bis unter sechs Jahren lag die Betreuungsquote von Kindern mit Migrationshintergrund mit 84% unter dem Durchschnitt aller Kinder in dieser Altersgruppe (92%). Die Betreuungsquote von Kindern ohne Migrationshintergrund lag in dieser Altersgruppe mit 96% deutlich höher. (Destatis)

Deutsche Ausfuhren im Januar 2010: + 0,2% gegenüber Januar 2009

Wiesbaden – Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, wurden im Januar 2010 von Deutschland Waren im Wert von 63,9 Milliarden Euro ausgeführt und Waren im Wert von 56,0 Milliarden Euro eingeführt. Die deutschen Ausfuhren waren damit im Januar 2010 um 0,2% höher und die Einfuhren um 1,4% niedriger als im Januar 2009. Im Vormonatsvergleich war die Entwicklung von Aus- und Einfuhren kalender- und saisonbereinigt gegenläufig: Während die Ausfuhren im Januar 2010 gegenüber Dezember 2009 um 6,3% sanken, nahmen die Einfuhren um 6,0% zu.

Die Außenhandelsbilanz schloss im Januar 2010 mit einem Überschuss von 8,0 Milliarden Euro ab. Im Januar 2009 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz 7,1 Milliarden Euro betragen. Kalender- und saisonbereinigt lag im Januar 2010 der Außenhandelsbilanzüberschuss bei 8,7 Milliarden Euro.

Zusammen mit den Salden für Dienstleistungen (– 2,0 Milliarden Euro), Erwerbs- und Vermögenseinkommen (+ 2,9 Milliarden Euro), laufende Übertragungen (– 4,4 Milliarden Euro) sowie Ergänzungen zum Außenhandel (– 0,9 Milliarden Euro) schloss – nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank – die Leistungsbilanz im Januar 2010 mit einem Überschuss von 3,6 Milliarden Euro ab. Im Januar 2009 hatte die deutsche Leistungsbilanz einen Aktivsaldo von 3,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union wurden im Januar 2010 Waren im Wert von 40,8 Milliarden Euro (– 1,1%) versandt und Waren im Wert von 35,7 Milliarden Euro von dort bezogen. Gegenüber Januar 2009 nahmen die Versendungen in die EU-Länder um 1,1% ab und die Eingänge aus diesen Ländern um 0,5% zu. In die Länder der Eurozone wurden im Januar 2010 Waren im Wert von 28,0 Milliarden Euro (– 2,1%) geliefert und Waren im Wert von 25,4 Milliarden Euro (– 1,5%) aus diesen Ländern bezogen. In die EU-Länder, die nicht der Eurozone angehören, wurden im Januar 2010 Waren im Wert von 12,9 Milliarden Euro (+ 1,2%) ausgeführt und Waren im Wert von 10,3 Milliarden Euro (+ 5,8%) von dort eingeführt.

In die Länder außerhalb der Europäischen Union (Drittländer) wurden im Januar 2010 Waren im Wert von 23,1 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 20,3 Milliarden Euro aus diesen Ländern importiert. Gegenüber Januar 2009 nahmen die Exporte in die Drittländer um 2,5% zu und die Importe von dort um 4,6% ab. (Destatis)

Verbraucherpreise Februar 2010: + 0,6% gegenüber Februar 2009

Gegensätzliche Preisentwicklungen bei Energieprodukten

Wiesbaden – Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, ist der Verbraucherpreisindex für Deutschland im Februar 2010 gegenüber Februar 2009 um 0,6% gestiegen. Im Januar 2010 hatte die Inflationsrate noch bei 0,8% gelegen. Der Preisauftrieb hat sich damit im Februar wieder abgeschwächt. Im Vergleich zum Vormonat Januar 2010 erhöhte sich der Verbraucherpreisindex um 0,4%. Damit wurde die vorläufige Schätzung für Februar 2010 gegenüber dem Vorjahr von + 0,4% auf + 0,6% nach oben korrigiert (im Vormonatsvergleich von + 0,2% auf + 0,4%).

Die Preise für Energie insgesamt blieben gegenüber dem Vorjahr nahezu stabil (+ 0,1%). Im Vergleich zum Vorjahr stiegen allerdings die Preise für Mineralölprodukte deutlich (+ 11,1%; davon leichtes Heizöl: + 13,8%; Kraftstoffe: + 10,5%), auch Strom verteuerte sich binnen Jahresfrist (+ 3,4%). Gleichzeitig gingen jedoch die Preise für Gas (- 19,6%) sowie für Umlagen von Zentralheizung und Fernwärme (- 12,9%) deutlich zurück. Insgesamt gleichen sich die gegensätzlichen Preisentwicklungen der Energieprodukte gegenüber dem Vorjahr fast aus: Ohne Berücksichtigung der Preisentwicklung bei Energie hätte die Teuerungsrate im Februar ebenfalls bei 0,6% gelegen.

Im Februar 2010 lagen die Nahrungsmittelpreise insgesamt trotz der seit November 2009 wieder steigenden Preise um 1,1% unter dem Vorjahresniveau. Günstiger waren vor allem Gemüse (- 4,0%; darunter Gurken: - 30,0%; Kartoffeln: - 14,2%) und Molkereiprodukte (- 3,3%; darunter Schnittkäse: - 7,4%; Hartkäse: - 6,9%; H-Milch: - 3,8%). Preisanstiege wurden dagegen vor allem bei Fisch und Fischwaren (+ 4,4%; darunter frisches Fischfilet sowie frischer Fisch im Anschnitt: jeweils + 5,5%; Räucherfisch: + 4,9%) sowie bei Speisefetten und -ölen (+ 3,5%; darunter Butter: + 13,9%) festgestellt. Erwähnenswert ist auch der erhebliche Preisrückgang bei Zucker (- 12,2% im Februar 2010 gegenüber Februar 2009), der bereits seit November 2009 im zweistelligen Bereich lag.

Die Preisentwicklung für langlebige Gebrauchsgüter blieb im Februar 2010 aus Sicht der Konsumenten weiterhin günstig (- 0,5% gegenüber Februar 2009). Besonders verbraucherfreundlich entwickelten sich die Preise für einige Erzeugnisse der Unterhaltungselektronik (zum Beispiel Fernsehgeräte: - 22,7%), für Informationsverarbeitungsgeräte (Personalcomputer: - 14,5%; Notebook: - 12,2%) sowie für Foto- und Filmausrüstungen (Digitale Kameras: - 9,2%).

Nennenswerte Preisanstiege binnen Jahresfrist gab es dagegen bei Tabakwaren (+ 5,4%) sowie bei Zeitungen und Zeitschriften (+ 3,9%).

Insgesamt erhöhten sich im Vorjahresvergleich die Preise für Waren um + 0,3%. Die Preise für Dienstleistungen stiegen mit + 0,8% deutlich stärker (darunter Nettokaltmieten: + 1,0%).

Veränderung im Februar 2010 gegenüber dem Vormonat Januar 2010

Im Vergleich zum Januar 2010 hat sich der Verbraucherpreisindex um 0,4% erhöht. Bei den saisonabhängigen Dienstleistungen wurden vor allem Preiserhöhungen bei Pauschalreisen (+ 10,1%) beobachtet. Bei den saisonabhängigen Waren erhöhten sich im Februar 2010 unter anderem die Preise für Gemüse (+ 5,8%; darunter Kopf- und Eisbergsalat: + 25,4%; Paprika: + 13,0%) sowie für Bekleidung und Schuhe (+ 2,4%; davon Bekleidung: + 2,8%; Schuhe: + 0,6%) gegenüber dem Vormonat.

Bei Energie war im Februar 2010 gegenüber Januar 2010 ein Preisrückgang (- 0,8%) zu beobachten. Im Monatsvergleich verbilligten sich vor allem die Preise für Mineralölprodukte (- 1,9%; davon leichtes Heizöl: - 2,1% und Kraftstoffe: - 1,8%). Das Auf und Ab der Preisentwicklung der letzten Monate setzte sich damit fort.

Nahrungsmittelpreise stiegen im Februar 2010 gegenüber Januar 2010 nur leicht an (+ 0,3%). Dem Preisanstieg bei Gemüse standen Preisrückgänge vor allem bei Speisefetten und -ölen (- 4,4%; darunter Butter: - 9,6%) sowie bei Obst (- 3,8%; darunter Weintrauben: - 17,8%) gegenüber.

Der für europäische Zwecke berechnete harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland lag im Februar 2010 um 0,5% höher als im Februar 2009. Im Vergleich zum Vormonat Januar 2010 stieg der Index um 0,4%. Die Schätzung für den HVPI vom 26. Februar 2010 wurde damit nach oben korrigiert (Februar 2010 gegenüber dem Vorjahr: + 0,3%, gegenüber Januar 2010: + 0,2%). (Destatis)

Touristische Nachfrage erholt sich

Europäische Reisetrends 2010: Aktuelle Ergebnisse aus den GfK Tourismus-Vertriebspanels

Nürnberg – Vor allem in Deutschland und Großbri-tannien, zwei der größten touristischen Quellmärkte Europas, sta-bilisiert sich die Urlaubsnachfrage für die Sommersaison 2010. Die größten Zuwächse verzeichnen die Türkei und Ägypten. Europaweit im Trend liegen auch Kreuzfahrten.

Nach anderthalb Jahren mit mehrheitlich rückläufigen Buchungszahlen zeichnen sich Erholungstendenzen in der touristischen Nachfrage ab. In Deutschland steigen die Reisebuchungen für die Sommersaison 2010 seit zwei Monaten an und haben per Buchungsstand Ende Januar 2010 ihr Vorjahresniveau erreicht. In Großbritannien hat der positive Wachstumstrend bereits früher eingesetzt, so dass die Buchungsumsätze für den aktuellen Sommer kumuliert nun bei rund 3 Prozent im Plus stehen. In Italien und den Niederlanden sind die sommerlichen Reisebuchungen zwar weiterhin rückläufig im Vergleich zum Vorjahr, jedoch mit abnehmender Tendenz.

Familien buchen zurückhaltender

Gruppen von drei und mehr Personen, hinter denen mehrheitlich Familien stehen, agieren bei ihrer Urlaubsplanung zurückhaltender als allein reisende Erwachsene: Ihre Vorausbuchungen für die Sommersaison 2010 liegen in Großbritannien (plus 1,7 Prozent) und in Deutschland (minus 2,0 Prozent) jeweils noch deutlich unter dem Marktdurchschnitt. Schon in der vergangenen Sommersaison 2009 sind die Buchungsumsätze von Familien stärker eingebrochen als bei anderen. In Deutschland sind die Unterschiede im Buchungsverhalten von Familien oder allein reisenden Erwachsenen besonders stark ausgeprägt.

Gewinner der Sommersaison 2010: Türkei

Das Urlaubsland Türkei gewinnt in der Gunst der Urlauber. Gemessen am Marktanteil basierend auf dem Umsatz ist die Türkei bei den Briten, Deutschen und Niederländern zweitstärkste Feriendestination nach Spanien gefolgt von Griechenland. Doch während Spanien und Griechenland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch Einbußen verzeichnen, zeigt sich die Türkei in den betrachteten Quellmärkten durchgehend wachstumsstark. Die größten Zuwächse bei den Urlaubsbuchungen für die Türkei werden in Großbritannien verzeichnet. Dort geht dieser Trend mit einem deutlichen Anstieg des “all inclusive”-Urlaubs einher. Bei russischen Urlaubern beträgt der Marktanteil der Türkei herausragende 36 Prozent und ist damit das meistgebuchte Reiseland. Italiener und Franzosen verreisen im Sommer hingegen bevorzugt im eigenen Land.

Ägypten kann seine Position als eines der beliebtesten Urlaubsziele in den Top 10-Destinationen im Sommer 2010 ebenfalls ausbauen. Das Land gewinnt vor allem in England, Deutschland und den Niederlanden Urlauber und Marktanteile hinzu. Bei russischen und italienischen Urlaubern ist Ägypten das zweitwichtigste Urlaubsland.

Unter den jeweils zehn bedeutendsten Urlaubsländern in den einzelnen touristischen Quellmärkten wächst außerdem Italien bei den Briten überdurchschnittlich sowie bei den Niederländern die USA und die niederländischen Antillen.

Wachstumsmarkt Kreuzfahrten

Die Reisebüros profitieren derzeit von einem sich sehr gut entwickelnden Kreuzfahrtenmarkt. In Deutschland sind die Wachstumsraten am größten, der Marktanteil der Kreuzfahrten im Geschäft der Reisebüros ist jedoch noch verhältnismäßig gering. In Großbritannien ist die Bedeutung von Kreuzfahrten fast doppelt so hoch und in Italien liegt ihr Marktanteil sogar bei rund 17 Prozent. Kreuzfahrten verzeichneten schon in der Sommersaison 2009 beachtliche Wachstumsraten und konnten bei einer insgesamt rückläufigen Marktentwicklung ihren Umsatzanteil im touristischen Vertrieb ausbauen. Auch in den Niederlanden entwickeln sich Kreuzfahrten überdurchschnittlich gut, ihr Umsatzanteil liegt jedoch noch unter der 1-Prozent-Marke.

“Last Minute” im Trend

Das durch die Wirtschaftskrise bedingte, unsichere finanzielle Umfeld der Verbraucher wirkt sich auf das Buchungsverhalten beim Urlaub aus: Die Konsumenten verhalten sich abwartender als zuvor. Demzufolge nimmt der Anteil der Kurzfristbuchungen bis zu einen Monat vor Abreise in Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich und den Niederlanden zu. In Deutschland zum Beispiel verzeichneten kurzfristige Buchungen in der vergangenen Sommersaison ein Wachstum von 9 Prozent, während das gesamte Sommervolumen knapp 3 Prozent unter der Vorjahressaison abschloss.

Im Ländervergleich gehören die deutschen Urlauber jedoch zu den beständigsten Frühbuchern; nur ein kleiner Anteil von 7,4 Prozent entfällt auf echte Last-Minute-Bucher, bei denen zwischen Buchung und Abreise nicht mehr als zwei Wochen liegen. Auch die Briten buchen früh: Bis Ende Januar sind rund 50 Prozent des Sommervolumens generiert.

Der russische Urlauber ist im europäischen Vergleich deutlich kurzentschlossener: Nirgends wird so viel Volumen “last minute” gebucht wie in Russland, aber auch die Italiener buchen ihren Urlaub tendenziell spät.

GfK Travel Insights

Die Analysen aus den Tourismus-Vertriebspanels basieren mehrheitlich auf den Buchungsdaten von Reisebüros. Die Stichproben bilden den jeweiligen stationären Vertriebsmarkt repräsentativ ab, sowohl was die Größe und den Umsatz, die regionale Verbreitung als auch die Organisationsform der Reisebüros (Vertriebstypus) anbelangt. Der “Leisure Travel Monitor” von GfK Ascent-MI, das Tourismus-Vertriebspanel der GfK in Großbritannien, stützt sich neben den Verkaufsdaten der Reisebüros auf die der Reiseveranstalter. In Russland, dem jüngsten Panel, das gerade Marktreife erlangt hat, sind die Verkaufsdaten von Reiseveranstaltern die Datenquelle. Für den russischen und den französischen Markt liegen erst seit Januar beziehungsweise Juni 2009 Buchungsdaten vor, so dass noch keine Vorjahresvergleiche gezogen werden können.

Schwarz-Gelb so unbeliebt wie seit neun Jahren nicht

stern-RTL-Wahltrend: Union sackt ab - Bürger sehen FPD als Streithammel

Hamburg - Der Dauerstreit in der schwarz-gelben Koalition zieht nun auch die Union in den Abwärtssog. Im wöchentlichen stern-RTL-Wahltrend fielen CDU/CSU im Vergleich zur Vorwoche um 2 Punkte auf 33 Prozent. Es ist der niedrigste Wert für die Union in diesem Jahr. Die FDP verlor einen Punkt und erreicht nur noch 8 Prozent. Gemeinsam kommen Union und Liberale auf 41 Prozent. So schlecht standen sie im stern-RTL-Wahltrend zuletzt vor neun Jahren, im Februar 2001.

Die SPD klettert um einen Punkt auf 23 Prozent. Es ist für sie der beste Wert in diesem Jahr. Auch die Linke gewinnt einen Punkt und steigt auf 12 Prozent. Für die Grünen würden erneut 16 Prozent der Wähler stimmen. “Sonstige Parteien” könnten mit 8 Prozent der Stimmen rechnen (+1). Mit zusammen 51 Prozent liegen SPD, Grüne und Linkspartei nunmehr 10 Punkte vor Union und FDP.

Das desaströse Bild der Koalition belegt eine weitere stern-Umfrage. Nur 8 Prozent der Bürger sind der Ansicht, dass die Koalitionspartner CDU, CSU und FDP an einem Strang ziehen. Die überwältigende Mehrheit von 84 Prozent hält sie für untereinander zerstritten. Gefragt, wer nach ihrer Ansicht schuld am Streit sei, nannte mehr als jeder Zweite (55 Prozent) die FDP. 7 Prozent gaben der CSU die Schuld am schlechten Zustand der Koalition. 5 Prozent machen die CDU für den Zwist verantwortlich. Dass “alle gleichermaßen” Schuld hätten, meinen 28 Prozent.

Datenbasis für Parteipräferenz: 2502 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger vom 1. bis 5. März 2010, statistische Fehlertoleranz: ± 2,5 Prozentpunkte; Datenbasis für Koalitionsstreit: 1003 Befragte am 4. und 5. März 2010. Institut: Forsa, Berlin; Auftraggeber: stern und RTL, Quelle: stern-RTL-Wahltrend

GWA: Leichte Erholung für die Werbebranche erwartet

Frankfurt am Main - Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA rechnet damit, dass sich die Umsätze der Werbebranche 2010 erholen werden. Nach einem Umsatzminus von fünf Prozent im Vorjahr prognostiziert er für die Werbe- und Kommunikationsagenturen ein Wachstum von drei Prozent.

Auch die Rendite-Entwicklung verläuft bei den Mitgliedsagenturen laut GWA nach einem Einbruch von durchschnittlich fast 27 Prozent 2009 wieder positiv und soll sich am Jahresende bei einem Plus von 16,5 Prozent befinden. GWA Präsident Peter John Mahrenholz (CEO Draftfcb Deutschland) zieht auf Basis dieser Zahlen Bilanz: “Agenturen haben eine wichtige Rolle im Marketingprozess und brauchen eine solide wirtschaftliche Basis um strategisch und kreativ ein hohes Niveau zu halten. Das gilt angesichts der steigenden Komplexität der Märkte immer mehr. Nur mit Investitionen, beispielsweise in Top-Talente, können Agenturen auch in Zukunft ihre maßgebliche Rolle zwischen Marke und Konsument ausfüllen.”

Der Kostendruck auf die Agenturen war 2009 höher denn je. Während aktuell 90 Prozent der Befragten angeben, dass der Kostendruck im Vergleich zu 2008 weiter gestiegen sei lag dieser Wert in der vergangenen Rezession 2002 bei 77 Prozent. Zwei Drittel der Befragten erwarten für das laufende Geschäftsjahr sogar einen weiteren Anstieg. Mehr als die Hälfte aller befragten Werbe- und Kommunikationsagenturen hat sich 2009 betriebsbedingt von Mitarbeitern trennen müssen, 43 Prozent haben aber auch neue Mitarbeiter eingestellt. Kurzarbeit haben 28 Prozent der befragten Agenturen genutzt. Für 2010 erwartet nur noch ein Viertel der Agenturen betriebsbedingte Kündigungen. Mehr als die Hälfte will hingegen wieder Personal einstellen.

Soziale Netzwerke und Blogs haben eine hohe Bedeutung für die Marketing-Kommunikation in Deutschland. Das sagen 50 Prozent der Mitglieder des GWA. 93 Prozent sind darüber hinaus der Meinung, dass die Bedeutung sozialer Medien für die Marketing-Kommunikation weiter zunehmen wird, 47 Prozent sehen in ihnen jedoch nur eine Ergänzung der vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten. (gwa)

Andrea Nahles: Westerwelle und Niebel schaden dem Ansehen Deutschlands

Berlin - Zum außen- und entwicklungspolitischen Verständnis der FDP-Minister Guido Westerwelle und Dirk Niebel erklärt SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles: Die FDP-Minister Guido Westerwelle und Dirk Niebel legen nach einer Reihe von innenpolitischen Wirrungen der Liberalen nun die Axt an die Reputation der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik:

Westerwelle reduziert das Amt des Außenministers auf das eines Außenwirtschaftsministers. Dass die Bundesrepublik Deutschland als Friedensmacht bei der Lösung internationaler Konflikte und bei globalen Herausforderungen wie Klimaschutz und Menschenrechten stark engagiert ist, ist dem Minister offensichtlich entfallen. Dies offenbart ein mangelndes Amtsverständnis des deutschen Außenministers.

Dass ein deutscher Außenminister Wirtschaftsdelegationen mit auf Reisen nimmt ist selbstverständlich. Es muss jedoch zweifelsfrei geklärt werden, dass keine Vermischung wirtschaftlicher und parteilicher mit staatlichen Interessen stattfindet. Hier kann man die Haltung und das Verhalten von Herrn Westerwelle nur als diffus bezeichnen.

Niebel will die wichtigsten Träger deutscher Entwicklungsarbeit zerschlagen und verunsichert so Tausende Angestellte und zerstört funktionierende Strukturen deutscher Entwicklungsarbeit. Damit beweist er einmal mehr, dass er nicht in der Lage ist, sein Amt kompetent auszufüllen. Dies zeigt sich auch daran, dass er samstags das
0,7%-Versprechen der Bundesregierung brechen, dienstags wieder daran festhalten will. Damit erschüttert er das Vertrauen der Entwicklungshilfe-NGOs und die über Jahrzehnte aufgebaute internationale Reputation Deutschlands in diesem Bereich.

Westerwelle und Niebel beschädigen unter den Augen der abermals schweigenden Bundeskanzlerin den guten Ruf der deutschen Außenpolitik, den unter anderem ihre Parteifreunde Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher mit aufgebaut haben. Diese werden hoffentlich mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten.

Europäisches Kulturerbe-Siegel in allen EU-Ländern

Brüssel - Eine starke Auszeichnung für Europas Kulturerbe: Orte, die die europäische Einigung, Ideale und Geschichte der EU symbolisieren, sollen in Zukunft das „Europäische Kulturerbe-Siegel” tragen dürfen. Die Europäische Kommission hat heute die EU-weite Vergabe des Siegels auf den Weg gebracht. „Ich bin davon überzeugt, dass das Europäische Kulturerbe-Siegel das allgemeine Bewusstsein für unser gemeinsames und zugleich vielfältiges Kulturerbe schärfen sowie den Kulturtourismus und den interkulturellen Dialog anregen wird“, erklärte Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend. Bisher wird das Kulturerbe-Siegel nur von 17 Mitgliedstaaten verliehen, Deutschland nimmt an der Initiative bisher nicht teil. Das Haus von Robert Schuman, einem der Gründerväter der EU in Lothringen und die Danziger Werft, wo Gewerkschaft Solidarnosc gegründet wurde, tragen zum Beispiel schon das Siegel. In Zukunft soll jeder der 27 Mitgliedstaaten jährlich ein oder zwei Stätten für das neue Europäische Kulturerbe-Siegel vorschlagen. Eine unabhängige Experten-Jury wählt dann höchstens eine Stätte pro Land und Jahr aus. (EU Aktuell)

Deutsche urlauben gern in Italien oder Spanien - und in Deutschland

Brüssel - Für 2010 haben rund 80 Prozent der Europäer wieder eine Urlaubsreise geplant. In Deutschland tun dies sogar rund 85 Prozent. Dabei ist die Mehrheit der Deutschen (57 Prozent) zuversichtlich, sich den Urlaub ohne Sparanstrengungen leisten zu können. EU-weit haben 46 Prozent keine finanziellen Probleme bei ihren Reiseplänen. Das ergibt eine aktuelle Eurobarometer-Umfrage zum Urlaubsverhalten der Europäer. Bevorzugte Urlaubsziele der Deutschen sind Italien und Spanien (je 7 Prozent). Am liebsten machen die Deutschen jedoch Urlaub in ihrem Heimatland (26 Prozent).

Zur aktuellen Eurobarometer-Umfrage erklärte Kommissionsvizepräsident Antonio Tajani, zuständig für Unternehmens- und Industriepolitik: „Die Ergebnisse der Erhebung für 2010 sind vielversprechend für die Touristikbranche. Die Branche, die europaweit in Bezug auf BIP und Beschäftigung an dritter Stelle rangiert, muss stärker weiterentwickelt werden. Im Rahmen des Vertrags von Lissabon verfügen wir nun über die Möglichkeit, diesen Sektor aus einer europäischen Perspektive zu fördern.“ (EU Aktuell)

Kommission stärkt Recht auf faires Gerichtsverfahren

Brüssel - Wer sich vor Gericht verantworten soll, muss zumindest verstehen, was ihm vorgeworfen wird. Deshalb hat die Europäische Kommission heute eine neue Richtlinie vorgeschlagen. Die EU-Staaten sollen verpflichtet werden, Tatverdächtigen einen Dolmetscher oder Übersetzer zur Verfügung zu stellen. Die Richtlinie ist der erste einer Reihe geplanter Schritte hin zu einheitlichen EU-Standards für Strafverfahren. Dank des neuen Vertrags von Lissabon kann die EU die Rechte der Bürger in Übereinstimmung mit der EU-Grundrechtecharta fördern. Die für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft zuständige Kommissions-Vizepräsidentin Viviane Reding sagte dazu: “Unser Ziel ist ein Europa, in dem die Justiz keine Grenzen kennt. Heute tun wir den ersten wichtigen Schritt in diese Richtung. Kein EU-Bürger sollte jemals das Gefühl haben müssen, dass er seine Rechte nur deshalb nicht richtig wahrnehmen kann, weil er nicht in seinem Heimatland lebt.”

Ein italienischer Tourist, der an einem Verkehrsunfall in Schweden beteiligt war, darf während der Gerichtsverhandlung nicht mit einem italienischsprachigen Anwalt sprechen; ein polnischer Tatverdächtiger bekommt keine schriftliche Übersetzung der Beweise, die vor einem französischen Gericht gegen ihn verwendet werden – dies sind Beispiele für Hindernisse bei Strafverfahren, die unfaire Urteile zur Folge haben können. Die vorgeschlagene Richtlinie soll den Bürgern der EU-Mitgliedstaaten ihr Recht auf ein faires Gerichtsverfahren überall in der EU auch dann sichern, wenn sie die Verfahrenssprache des Gerichts nicht verstehen. (EU Aktuell)

Deutschland und die Malediven vertiefen Zusammenarbeit im Umweltschutz

Der Staatspräsident der Malediven, Mohamed Nasheed, und Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen haben heute in Berlin eine intensivere Zusammenarbeit vereinbart. „Die Kooperation mit den vom Klimawandel besonders bedrohten Staaten wie den Malediven ist mir ein besonderes Anliegen. Ich freue mich, dass Präsident Nasheed und ich heute Gelegenheit hatten, über den Fortgang der internationalen Klimaverhandlungen und den Ausbau der bilateralen Umweltkooperation beider Staaten zu sprechen“, sagte Röttgen.

Die Malediven sind durch den Klimawandel besonders gefährdet und müssen daher große Anpassungsleistungen vollbringen. Sie haben sich zudem das anspruchsvolle Ziel gesetzt, bis 2020 klimaneutral zu werden. Das Bundesumweltministerium wird daher prüfen, welche konkreten Klimaschutzprojekte der Malediven in den kommenden Jahren aus der Internationalen Klimaschutzinitiative des BMU gefördert werden können.

Mit der 2008 gegründeten Initiative finanziert das BMU Projekte in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern zur Emissionsminderung, zum Erhalt der biologischen Vielfalt mit Klimarelevanz sowie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Sie wird aus Auktionserlösen aus dem Emissionshandel gespeist. (BMU)

Linksfraktion will das Sponsoring von Parteien verbieten

Berlin(hib/BOB/JOH) - Das Partei-Sponsoring soll nach Auffassung der Linksfraktion untersagt werden. In einem entsprechenden Antrag fordern die Abgeordneten die Bundesregierung auf, einen Entwurf zur Änderung des Parteiengesetzes einzubringen. Unter anderem solle eine Definition des Sponsoring eingeführt werden, ”die diese Art von Unterstützung scharf von Spenden unterscheidet und deutlich macht, dass Sponsoring eine Geschäftsbeziehung begründet, die politische Arbeit kommerzialisiert und demokratische Regeln des Zugang zu Politik sowie zu Politikerinnen und Politikern durch wirtschaftliche ersetzt“, erläutern die Abgeordneten. Bei den Änderungen sei zu berücksichtigen, dass Geschäftsbeziehungen, wie sie das Sponsoring darstellten, grundsätzlich die Grenzen zwischen Parteien, Personen und Institutionen des Staates verwischen würden.

Die Linksfraktion erklärt zudem, freiwillige Vereinbarungen der Parteien seien ”kein wirksames Mittel“, um der vorrangigen Beeinflussung von Lobbyverbänden und der Wirtschaft auf Entscheidungsprozesse in der Politik entgegenzuwirken. Die jüngsten Veröffentlichungen über Geldforderungen für Gespräche mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers sowie seinem sächsischen Kollegen Stanislaw Tillich (beide CDU) und die Einnahme von Geldern für Stände auf Parteitagen der CDU hätten eine Gesetzeslücke offenbart, die dringend geschlossen werden müsse, argumentiert die Fraktion.

Finanzkrise trifft Frauen und Männer unterschiedlich

Mitmachkongress der Attac-Finanzfrauen in Berlin

Frankfurt am Main - Frauen und Männer sind von der Wirtschaftskrise und der Krisenpolitik der Bundesregierung unterschiedlich betroffen. Darauf hat die Attac-Projektgruppe Finanzfrauen anlässlich des Internationalen Frauentages am morgigen Montag hingewiesen. So habe der größte krisenbedingte Arbeitsplatzabbau bisher in Branchen stattgefunden, in denen hauptsächlich Männer beschäftigt sind. Entsprechend seien auch die Konjunkturpakete und die Kurzarbeit vor allem auf diese männerdominierten Brachen ausgerichtet. “Die angesichts der leeren öffentlichen Kassen jetzt zu erwartenden Sparmaßnahmen werden dagegen Frauen stärker treffen”, warnte Deborah Ruggieri von den Attac-Finanzfrauen.

Der Deutsche Städtetag sieht bereits den bis 2013 geplanten Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kleinkinder unter drei Jahren in Gefahr. Kommunale Einrichtungen wie Bibliotheken, Jugendtreffs, Theater, Hausaufgabenhilfen oder Schwimmbäder drohen in vielen Kommunen geschlossen oder erheblich teurer zu werden. “Unter dem Wegfall sozialer Infrastruktur in den Kommunen werden primär Frauen, insbesondere alleinerziehende Frauen leiden”, stellte Deborah Ruggieri fest. Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt 23,2 Prozent weniger als Männer und sind daher stärker von Gebührenerhöhungen betroffen. 85,2 Prozent der Alleinerziehenden hier zu Lande sind Frauen.

Ein großer Teil der wegfallenden sozialen Leistungen werde künftig privat von Frauen übernommen werden, sagte Deborah Ruggieri. Bereits heute entfallen 75 Prozent der unbezahlten Arbeit in Deutschland auf Frauen. Laut dem statistischen Bundesamt beträgt die Bruttowertschöpfung für die Haushaltsproduktion 820 Milliarden Euro jährlich (Angabe aus dem Jahr 2001); 83 Prozent der Haushaltsproduktion werden dabei unbezahlt geleistet.

Die Städte und Gemeinden in Deutschland erwarten in diesem Jahr ein Rekorddefizit von zwölf Milliarden Euro. Bereits 2009 betrug das Defizit laut dem Deutschen Städtetag etwa 4,5 Milliarden. Die von der schwarz-gelben Bundesregierung angestrebten Steuersenkungen würden zusätzliche Milliardenlöcher in die kommunalen Haushalte reißen.

Bei einem Mitmachkongress unter dem Motto “Arbeit? Geld? Krise!” am 20. und 21. März in Berlin wollen die Attac-Finanzfrauen gemeinsam mit den Teilnehmerinnen die Ursachen und Konsequenzen der Finanz- und Wirtschaftskrise unter dem Blickwinkel der Geschlechterverhältnisse analysieren und Wege zu einer Wirtschaft diskutieren, die allen Menschen gleichermaßen dient. (attac)

Tierisch starke Frauenpower

Berlin - Im Tierreich können sich viele Weibchen glücklich schätzen, zwei X-Chromosomen zu besitzen. Denn die Männer führen mitunter ein trauriges Dasein wie die Umweltstiftung WWF berichtet. So müssten die Liebhaber der Gottesanbeterin oder der Schwarzen Witwe um ihr Leben fürchten. Nach dem Liebesspiel hätten die hungrigen Insekten- beziehungsweise Spinnenweibchen ihre wesentlich kleineren Partner zum Fressen gern. „Das starke Geschlecht ist weiblich – zumindest bei manchen Tierarten“, sagt WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. „Bei den Elefanten und Orkas führt zum Beispiel immer ein dominantes Weibchen die Gruppe an.“

Der Tiefsee-Anglerfisch gibt sogar seine eigene Existenz auf, sobald er seine Angebetete gefunden hat. Das Männchen beißt sich zur Fortpflanzung an dem bis zu zehn Mal größeren Weibchen fest. Daraufhin verschmilzt es komplett mit ihm, sogar die Blutbahnen verbinden sich. „Eine fatale Abhängigkeit für das Männchen“, so WWF-Experte Homes. „Wenn das Weibchen stirbt, ist für den kleinen Parasiten die Zeit in der Tiefsee automatisch abgelaufen.“ Für den männlichen Löcherkraken ist das Leben schon unmittelbar nach dem Geschlechtsakt beendet. Der Krake füllt einen seiner acht Arme mit Spermien, übergibt ihn dem Weibchen und treibt daraufhin mit den verbliebenen sieben Tentakeln in den Tod. Er ist übrigens gerade einmal so groß wie die Pupille des Weibchens.

„Die weiblichen Seepferdchen müssten in das Lied „Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin!“ einstimmen“, sagt WWF-Artenschutzexperte Homes. Denn für sie übernehme der Partner die anstrengende Prozedur der Schwangerschaft. Die Weibchen legten ihrer besseren Hälfte die Eier in die zwei Brusttaschen. Alles andere als ein konventionelles Rollenverhältnis gibt es auch beim afrikanischen Grill-Kuckuck zu beobachten. Hier verteidigen die Weibchen lautstark ihr Revier und balzen mit aufgeplustertem Gefieder. Die Eier legen sie den Männchen ins Nest und überlassen ihnen die Brutpflege.

Ein außergewöhnliches Geschlechter-Verständnis haben die Anemonen- oder Clownfische. Bei ihnen gibt es stets eine strenge Rangordnung: Der größte Anemonenfisch ist weiblich, der zweitgrößte männlich. Alle weiteren sind männliche Jungtiere, die durch einen Prozess der „sozialen Unterdrückung“ am Wachstum gehindert werden. Stirbt das Fischweibchen, so wandelt sich das ranghöchste Männchen innerhalb von einer Woche in ein Weibchen um. Von einer gleichberechtigten Partnerschaft wie bei den Pinguinen, die sich beim Brüten abwechseln, können viele Männchen aus dem Tierreich nur träumen. (WWF)

DGB fordert geförderte Beschäftigung zu fairen Bedingungen

Berlin - Zur Diskussion um öffentlich geförderte Beschäftigung sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Montag in Berlin: „Öffentlich geförderte Arbeitsangebote für Langzeitarbeitslose, deren Integration bisher erfolglos war, sind weiterhin sinnvoll und notwendig. Der Staat darf sich jedoch nicht zum Nutznießer der prekären Lage vieler Arbeitsloser machen. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass reguläre Jobs nicht verdrängt oder ersetzt werden – wie es bei den Ein-Euro-Jobs schon vielfach der Fall ist.

Auch Hartz-IV-BezieherInnen haben Anspruch auf gute Arbeit, angemessene Entlohnung, Absicherung durch Sozialversicherungen und Schutz durch das allgemeine Arbeitsrecht. Das Ziel, Langzeitarbeitslosen eine Perspektive für eine langfristige Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen, darf in keinem Fall aufgegeben werden.

Einen faktischen Arbeitszwang zu Dumpinglöhnen oder symbolische Ein-Euro-Jobs ohne soziale Sicherheit lehnt der DGB als würdelos und perspektivlos ab. Unser Zukunftsbild ist weiter die Dienstleistungsgesellschaft und nicht die Dienstbotengesellschaft. Öffentlich geförderte Beschäftigung muss nachrangig sein, Qualifizierung hat Vorrang. Insbesondere für Jugendliche muss die Förderung der Ausbildung in jedem Fall Priorität haben.

Um Verdrängungseffekte zu vermeiden, sollten die Verwaltungsausschüsse der Agenturen für Arbeit alle Maßnahmen genehmigen. Nur wenn es diesen örtlichen Konsens zwischen öffentlicher Verwaltung, Arbeitgebern und Arbeitnehmern gibt, kann sichergestellt werden, dass die zusätzlichen Arbeiten nicht den örtlichen Arbeitsmarkt stören. Um die Finanzierung zu erleichtern, sollten die Grundsicherungsstellen einen eigenen Haushaltstitel für die Projekte erhalten. Die Gelder, die eingespart werden, weil die Menschen eine Arbeit aufnehmen, müssen dabei gegengerechnet werden. (DGB)

ver.di lehnt Arbeitszwang zum Nulltarif ab

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) wendet sich gegen die Vorschläge der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Hannelore Kraft zur Schaffung gemeinnütziger Jobs für Hartz-IV-Empfänger/innen. Kraft werte mit ihren Vorschlägen hochqualifizierte Tätigkeiten im sozialen Bereich ab und unterschätze Verdrängungs- und Dumpingeffekte zulasten regulärer Beschäftigung durch niedrig oder gar nicht entlohnte Arbeitskräfte. „Wer an die Stelle aktiver Arbeitsmarktpolitik einen Arbeitszwang zum Nulltarif setzen will, kapituliert auf der ganzen Linie“, betonte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Elke Hannack.

Schon jetzt erhielten Erwerbslose, die keine Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung haben, kaum Chancen auf eine bedarfsorientierte Förderung. Stattdessen würden sie in sinnlose Maßnahmen geschickt oder müssten als Ein-Euro-Jobber antreten, obwohl öffentlich geförderte Beschäftigung in sozialversicherungspflichtiger Form kaum Mehrkosten verursache.

„Ein-Euro-Jobs müssen durch sozialversicherungspflichtige und tariflich entlohnte Beschäftigung ersetzt werden“, forderte Hannack. Ziel müsse es sein, den einzelnen Betroffenen durch beschäftigungsschaffende und -begleitende Maßnahmen sowie Qualifizierungen Perspektiven für einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu eröffnen. Mit der Schaffung neuer Mitnahmeeffekte zugunsten von Arbeitgebern, die sich auf Kosten der Betroffenen und der Sozialkassen sanieren wollten, könne das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit jedenfalls nicht gelöst werden. Hier seien auch von der SPD neue Ideen statt „alter Hüte“ gefragt“, sagte Hannack. (ver.di)

2009: 3,2 Millionen Flugpassagiere weniger ins Ausland

Wiesbaden – 2009 unternahmen 67,2 Millionen Passagiere eine Flugreise ins Ausland; das waren 3,2 Millionen weniger Fluggäste (– 4,5%) als ein Jahr zuvor. Dieser Rückgang ist mehr als doppelt so hoch wie im bisher größten Verlustjahr 2002 (– 1,5 Millionen Passagiere), wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin mitteilt.

Auf die Mittelmeerinseln, der bedeutendsten Tourismusregion im Flugverkehr aus Deutschland, reisten 6,0 Millionen Fluggäste. Im Vergleich zum Jahr 2008 gingen aber bei nahezu allen Inseln und Inselgruppen die Passagierzahlen zurück: Die Balearen, auf die annähernd zwei Drittel aller Flugreisen auf die Mittelmeerinseln entfallen, wurden von 5,5% weniger Passagieren angeflogen. Der Flugverkehr auf die Griechischen Inseln nahm um 4,0% ab. Sizilien verbuchte ein Minus von 6,6%, Sardinien konnte bei den Flugreisenden dagegen ein Plus von 6,7% erzielen.

Insgesamt reisten 51,5 Millionen Passagiere ins europäische Ausland, davon insgesamt die Hälfte (50,8%) nach Spanien, Italien, in die Türkei, nach Griechenland, Polen, Schweden und Portugal. In diese Länder gingen die Passagierzahlen insgesamt um 4,9% zurück. Nach Kontinenten differenziert nahm die Zahl der Fluggäste ins europäische Ausland mit – 5,0% stärker ab als im Interkontinentalverkehr (– 2,8%). (Destatis)